Von Nagold in den Süden Bulgariens

Der Nagolder Flugplatz liegt zwar in eine wunderschöne Landschaft eingebettet und bietet ein herrliches Panorama aber trotzdem erscheint uns das Umkreisen dieses Flugplatzes, ohne genaues Ziel, auf die Dauer zu langweilig.

Aus diesem Grund haben wir uns die letzten Jahre jeweils Ziel ausgesucht und wenigstens einmal im Jahr eine größere Tour unternommen.

Also suchten wir für dieses Jahr wieder ein neues Ziel. Nach längerer Diskussion über die Möglichkeiten und das Wetter da oben, kam Berthold auf die Idee: „Ich mach schon 20 Jahre Urlaub am Schwarzen Meer – wir könnten doch mal dort hin fliegen!"

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Mit dem Avidflyer nach Thüringen zum Dolmar

Obwohl unser Avid nicht gerade eine Reisemaschine ist, zieht es mich auch an weiter entfernte Ziele. So plante ich am 20.07.2013 einen Flug nach Thüringen zum kleinen UL-Flugplatz am Dolmar. Dort betreibt Jürgen Schlüter einen netten kleinen UL-Platz mit Flugschule und Gaststätte. An diesem Wochenende lud er zu einem Fly-Inn ein, in Anspielung an die ganz großen Fliegertreffen Oskosh oder Tannkosh nannte er es einfach Dolkosh.

Also kurzerhand am Samstag Morgen den Flieger aus dem Hänger gezogen, gründlich gecheckt, Benzin für eine Strecke getankt und um 8:10 Ortszeit ging es los.

Die 90 Minuten Flugzeit zum Zwischenziel Wertheimer Ultraleichtflugplatz war traumhaft schön, ruhig und entspannend. Langsam zog das Gäu und der Kraichgau unter mir durch. In der Höhe war mehr und mehr Gegenwind zu spüren. Also runter auf Mindestflughöhe, da ging es dann deutlich schneller vorwärts. Die Landeplätze Schlierstadt und Walldürn schienen noch menschenleer und verschlafen. Links ragte der Odenwald aus dem Morgendunst.

Trotz GPS war der Wertheimer UL-Platz nicht einfach zu finden, es ist nur eine Wiese mit kleiner Halle, die von oben wie ein Schuppen aussieht.

Leider dauerte der Smalltalk mit den dortigen Piloten länger als gedacht. Erst um 11 Uhr war ich wieder startklar. Zwischenzeitlich frischte der Wind auch am Boden immer stärker auf und die Thermik setzte ein. Von den Wertheimern wollte deshalb an diesem Tag schon keiner mehr fliegen.

Der Weiterflug Richtung Thüringen war dann nicht mehr so ruhig. Von der Thermik geschüttelt und mächtig Wind auf der Nase ging es langsam weiter nach Nord-Ost. Rechter Hand kam Würzburg in Sicht, links der Spessart. Bei nur etwa 120 Km/h Eigengeschwindigkeit macht sich ein 30-er Gegenwind ganz ordentlich bemerkbar.

Langen Info hatte ein Problem mit deren Funkanlage. Ich hatte das Sperrgebiet Lager Hammelburg schon umflogen, bis dann leider viel zu spät die Freigabe zum Durchflug kam.  

Die Navigation war nun ganz einfach. Links in einiger Entfernung die Rhön mit der Wasserkuppe, rechts die Autobahn, etwa auf Kurs die Flugplätze Bad Kissingen, Bad Neustadt/Saale und die Segelflugplätze Bischofsberg und Büchig. Vor mir war immer deutlicher der Thüringer Wald zu sehen. Schon aus der Ferne fällt der Dolmar mit seiner markanten Kegelform auf.

Langsam wurde es immer wärmer. Gut, dass ich im Avid die Tür auch im Flug öffnen kann.

Der Grenzstreifen zur ehemaligen DDR ist nur noch schwer zu erkennen. Die Felder liegen inzwischen kreuz und quer darüber.

Von Wertheim bis zum Dolmar benötigte ich wieder etwa 1 ½ Stunden. Obwohl im Platzbereich schon ordentlich Flugverkehr herrschte, gab es auf meinen Funkruf die knappe Antwort: „Landung möglich“.

 Die Landebahn liegt am Hang des Dolmars. Wegen der Bahnneigung wird immer bergauf Richtung Nord-Ost gelandet. Der oberhalb liegende Gipfel des Dolmars verursachte ordentlich Verwirblungen. Anflug und Landung war nicht wirklich stressfrei.

Der Flugplatz liegt in einer herrlichen Hügellandschaft. Am Platz gibt es eine Gaststätte mit Zimmern zur Übernachtung (man bezahlt was man eben so geben will), eine urige Blockhütte mit Pool (auch zum übernachten), zwei Flugzeughallen und eine Reihe mit Wohnwagen. Alles scheint etwas chaotisch kreuz und quer; die Stimmung am Platz war ungezwungen und locker.

 

 

 

 

 

 

 

Leider konnten wegen des starken Windes viele UL-Piloten nicht anfliegen. So wurde aus dem erwarteten Ansturm ein eher kleines Fliegertreffen mit etwa 30 ULs, fast alles Dreiachser. Für die Trikes und Motorschirme war der Wind zu stark.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Vom Dolmar-Gipfel aus hat man eine prächtige Aussicht in alle Richtungen.

 Der Platzhalter Jürgen Schlüter sagte mir die Versorgung mit Benzin ein paar Tage zuvor telefonisch zu. Am Flugplatz gab er allen Benzin-Bedürftigen die Info, dass er am Abend die Tankstelle aufmacht. Nur war er am Abend leider mit einem Flugschüler entflogen …. . Langsam wurde es hektisch am Platz, viele wollten heim, brauchten aber noch Benzin.

Ich konnte bei einem örtlichen Piloten einen vollen 20l Kanister ergattern, den er unter seinem Wohnwagen hervorzog. Mein Heimflug war gesichert.

Inzwischen war es spät geworden. Trotz abflauendem Wind hatten einige Piloten große Mühe, mit Rückenwind den Berg runter ihre Maschinen vor Bahnende in die Luft zu bringen. Nur gut, dass am Pistenende ein ordentlicher Absatz ist.

Andere versuchten, gegen den Wind den Berg hoch zu starten; das sah auch nicht wirklich gesund aus. Bei so grenzwertigen Bedingungen haben die älteren leichten ULs eindeutig Vorteile. Mit dem Avid hatte ich keine Probleme. Trotz Startrichtung „Berg hoch“ war ich schon an der Bahnmitte in der Luft. Es war genau 19 Uhr, als ich in Richtung Heimat abbog.

Der Rückflug in den Sonnenuntergang hinein war eine wahre Freude. Mit abflauender Thermik war es schön ruhig; der Rückenwind schob mich sagenhaft schnell vorwärts. So erreichte ich unseren Platz schon kurz nach 21 Uhr Ortszeit.

 

Stefan Waidner

 

 

 

 

 

 

 

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